Mein Garten 2015 

 

Liebe Freunde! Das schöne Wetter der letzten Tage begeistert mich. Ist es nun auch vorübergehend nochmals kalt, lasse ich mich davon überhaupt nicht beeindrucken. Morgens spaziere ich hinaus, wie an jedem Sonnentag. Allerdings finde ich auch zurück ins Haus und in die Küche zum Frühstück. Regnet es, holt Sascha immer ein Handtuch und trocknet mich fein ab. Das bin ich gewohnt, ist okay und sogar etwas angenehm für mein Fell.

 

Mist, dass bei sehr nassem Wetter der nette Kater nicht kommt. Seit ein paar Tagen bin ich nämlich etwas euphorisch mit meinen Gefühlen. Erklären kann ich es nicht, doch dieser Kater in Nachbars Garten …

Das ist so eine Versuchung, mich zu beweisen. Sascha auf dem Gartenbeet passt mir dann als Beobachter gar nicht in den Kram. Obwohl er ohne Brille schlecht sieht, kriegt er mit, dass ich den freundlichen Kater manchmal doch in die Flucht schlage. Es geht ganz leise. Ich muss gar nicht laut werden, denn das ist ein sehr friedfertiger, alter Patron auf vier Füßen. Jedenfalls sitzt er oft vor mir, als wolle er mich fragen: Magst du oder magst du nicht?

Der kann also nicht mehr jung sein! Lasse ich es drauf ankommen, bin ich sicher, dieser alte Schlingel geht von alleine stiften. Richtig mit mir aufnehmen, um mich buhlen und sich dann auch noch dafür anstrengen müssen, will der bestimmt nicht mehr. Man(n) muss auch können, wenn man(n) noch will. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Tieren und Menschen.

Trotzdem ist dieser Kater inzwischen mein Freund. Wenigstens einer, der nicht auf zwei Beinen läuft und riesengroß ist, sondern ganz normal, wie ich auch, auf vier Füßen sein Leben regelt. Wir unterhalten uns gelegentlich am Kellereingang auf Nachbars Anwesen. Das ist nicht jenes mit dem Weiher, nein. Ich meine ein anderes, seit mehreren Jahren nicht mehr bewohntes Grundstück, um das sich hier keiner mehr kümmert. Sascha schüttelt oft den Kopf deswegen. Manchmal kommen Leute die fragen, ob dort noch jemand wohnt. Meist sind es Personen von einem Amt oder solche, die sich technische Anlagen dieses Geisterhauses ansehen wollen. Ja, manchmal ist es nachts schon unheimlich dort drüben. Hin und wieder beobachten wir, dass die Anzahl geschlossener und geöffneter Fenster sich ändert und zwar das ganze Jahr über.

 

Ich weiß viel, seid euch sicher, liebe Freunde. Aber ich darf nicht alles ausplaudern. Damit ist Sascha gar nicht einverstanden. Nur von mir darf ich hier ausgiebig erzählen.

Bis zu sieben Stunden tummele ich mich bei Sonne im Garten! Herrlich ist das und ich mag es, das nun tagsüber die Haus- und Wohnungstüren nicht mehr geschlossen werden. Ich kann raus und rein, ganz wie ich will und mag ... 

In den letzten Tagen ist es spannend bei uns. Alles verändert sich. In den Räumen unserer Wohnung schieben sich die Gegenstände hin und her. Manchmal komme ich von draußen rein und es ist schon wieder einer meiner geliebten Sitzplätze verschwunden! Entweder liegt etwas darauf oder der Platz befindet sich plötzlich an einer ganz anderen Stelle. Das kann ich gar nicht gut. Vor allem Sascha bekommt das gelegentlich zu spüren. Ich motze ihn an, sobald mich solche Veränderungen stören. Tagsüber klingelt es hier ganz oft. Entweder gibt es dann lange Gespräche mit Leuten, die ich nicht sehen kann oder es kommt ein Auto auf unseren Hof gefahren, bringt uns die Post:

Briefe und Pakete - in den letzten Tagen ganz viel schweres Zeug. Ich liebe Kartons! Also bin ich auch immer zugegen, sobald solche zu uns kommen. Sind die leer, sitze ich schon mal drin und träume mich in einer neuen Höhle. Hin und wieder neckt mich Sascha. Er macht das Licht im Karton aus oder trägt mich damit durch die Wohnung. Das macht Spaß. Angst ist nicht mein Ding, ich kann solche Späße ab.

Heute steht unser OPEL offen. Das nutze ich gleich, mich darin umzusehen. Es riecht komisch. Diesen Geruch kenne ich gar nicht. Steffi behauptet, er käme von den Pflanzen, die in Plastiktöpfen zu uns kommen, um hier in meinem Garten daraus befreit zu werden. So, wie ich gar kein Katzengeschirr/ Leine mehr brauche, ist auch nicht nötig, dass Pflanzen ihr Leben nur in Töpfen verbringen! Es gibt Pflanzen, die kommen dann gleich in die Erde und andere, die müssen warten, bis Sascha eine Idee weiß, was er mit den Pflanzen machen will. Mich nennt er zur Zeit häufig „Dahlien-Kackerin“. Verzeihung, doch diese Wahrheit ist mir wichtig. Ihr dürft schon wissen, dass ich „mein Haus“ immer sehr sauber halte. Es ist viel angenehmer, in den Rabatten die Erde breit zu scharren als im Katzenstreu zu wühlen, das meine kleinen Pfötchen so gar nicht mögen.

 

In ein paar Tagen findet bei uns ein „1. Heidetreffen“ statt. Normal ist das nicht, aber meine beiden Freunde sind davon überzeugt, dass zu uns nur Leute kommen werden, die richtig lieb sind. Auch Steffi schwatzt jetzt unaufhörlich solches Zeug. Manchmal höre ich sogar, dass Sascha meint, diese Leute kennen längst auch mich.

 

Hm, wie kann das sein? Ich komme arg ins Grübeln. Aber sonst sind meine zwei Freunde ganz fröhlich und bereiten vor, was hier nun sehr bald stattfinden soll …

 

Liebe Freunde, ich melde mich wieder, sobald das „Heidetreffen 2015“ vorüber ist. Bis dahin bleibt mir gar keine Zeit mehr zum Erzählen. Ich muss mich auch vorbereiten, denn schließlich möchte ich auch beim Treffen dabei sein und sogar alle Gäste selber herzlich begrüßen.

 

Kommt wieder her, dann lest ihr mehr …

 

Herzliche Grüße vom Ypsilon!