Liebe Gäste,


meine Freunde sagen, es ist schicklich, dass ich alle, die mich hier auf meiner Homepage besuchen, künftig so anrede. Sie nennen das höflich und meinen damit, dass auch ich immer so tun soll, als wäre ich mit allem einverstanden: alles easy, alles happy und so weiter. Es scheint bei den Menschen so zu sein, dass sich alle ständig veralbern. Meine Mama lehrte mich allerdings sehr zeitig Besseres. Sie sagte mir mehr als einmal, dass es mit mir ein schlimmes Ende nehmen wird, wäre ich unfair zu meinen Geschwistern, unhöflich meinen Eltern gegenüber und außerdem eine sogenannte Gerne-Groß.

 

Der Sonntagsbraten


Heute ist Sonntag und ich darf zeitig in den großen Garten, weil die Sonne scheint. Ich streife durch die Beete. Doch schnell wird mir langweilig. Nachbars Garten, der links von meinem Haus liegt, ist wesentlich größer. Die Eichhörnchen spielen in den hohen Bäumen. Ich hocke mich in der Hoffnung, es kommt eines nach unten, ins Gebüsch. Dort raschelt es sehr, immer wieder. Meine Spannung steigt und dann sehe ich sie: die Maus!


 

Ich bin schnell, kann mich kugeln wie ein Blitz und sehr gut greifen. Es dauert also gar nicht lange und mein neues Spielzeug gibt auf … Hey, jetzt kann ich sie drehen, in die Luft werfen, wieder auffangen, ablegen und mich erneut heran pirschen. Das kriegen meine beiden Freunde spitz, die mich vermutlich zum Frühstück ins Haus rufen wollen. Aber ich höre nicht hin. Sollen sie doch rufen und rufen und … Mir egal! Ich spiele mit meiner Maus. Die lässt sich wirklich von mir ärgern. Zuerst bewegt sie sich noch und ich muss aufpassen, dass sie nicht doch wieder auf die kleinen Beine kommt, um fortzulaufen. Irgendwann aber ist es mit ihr herum, tot !!! Wir Katzen kennen kein „Amen“. Ich fühle mich unzufrieden. Nichts zuckt mehr, ich muss alles alleine machen: die Maus hochwerfen, sie anstupsen, wieder fallen lassen usw. 

 

 

Da meine Freunde noch gar nicht wissen, dass ich schon eine Mausfängerin bin, schleppe ich meinen tollen Fang zu ihnen auf den Hausweg bis kurz vor die geöffnete Haustür. Da stehen die Beiden und warten auf mich. Zum Glück werde ich gelobt für meinen Fang. Die Zwei glauben sicher, würden sie mich nicht loben, liefe ich mit der Maus wieder davon. Zuerst lobt mich Steffi, ein bisschen. Aber die kann das gar nicht so gut wie Sascha. Der macht immer viele Worte. So auch heute. Er sagt mir, ich hätte es „gut gemacht“ und eine Maus sei eine „fette Beute“ für mich. Außerdem verspricht er mir, dass ich morgen und andere Tage wieder nach Mäusen jagen darf. So ist das schön, das mag ich! Also lege ich meinem Freund meine Maus direkt vor die Füße. Zum Dank für seine tollen Worte beginne ich erneut mit ihr zu spielen. Sascha schaut mir begeistert (??!!) zu, ganz lange. Dann sagt er, wenn ich doch so einen feinen „Sonntagsbraten“ hätte, brauche ich im Haus nichts mehr zu fressen. Das irritert mich doch sehr. Wieso?? Mein Magen kommt doch mit nur einer Maus nicht aus … 

 

 

Zu Steffi spricht Sascha: „Unser Ypsilon ist sicher darauf aus, die Maus auch noch ins Haus zu bringen ...“ Steffi meint dazu: „Bloss nicht: Das können wir aber nicht gebrauchen!“ Plötzlich höre ich die Vögel in den Bäumen und bleibe einen Moment abgelenkt. Als ich mich wieder konzentriere, ist mein schöner Sonntagsbraten weg. Einfach so! Meine Maus !!!!! Wo ist meine Maus ????

 

 

Sascha steht ganz unschuldig an der Tür und als er merkt, dass ich nach meiner Maus suche, bedauert er mich: „Liebes Ypsilon! Die Maus wollte nicht mehr warten. Sie ist weg gelaufen ...“ Ich weiß zwar nicht, ob ich meinem Freund das so glauben kann, aber ich versuche es heute und alle Tage … Das verspreche ich!

Wenn ich nur morgen wieder raus darf, auf die Suche nach einer nächsten Maus. Im Garten sind immer ganz viele. Es spielt sich viel besser mit ihnen als mit den Libellen, die jetzt nicht mehr umher fliegen. Wo sind die hin? 

 

 

">Es gibt einiges, dass ich nicht verstehen kann. Aber das ist gar nicht schlimm. Ich entdecke meine Welt immer besser. Klappt das mal nicht, laufe ich zu Sascha und beschwere mich. Der nimmt mich dann in seine Arme und tröstet so lange, bis es mir zu warm wird im Fell. Manchmal kratze und knabbere ich an seinen Armen, als seien die aus Holz. Das mag er gar nicht, aber ich! Lange festhalten darf mich keiner, nicht mal mein Freund Sascha. Nur Steffi, die ist so trickreich, dass ich immer lange bei ihr in den Armen liege. Dann mache ich Yoga, denn gegen Steffi`s nette Art ist nicht mal ein Katzenkraut gewachsen ...

 

Beste Grüße vom Ypsilon!