Liebe Besucher!


Es heißt, ein Jahr geht zuende. Ich höre diesen Satz jetzt jeden Tag. Sascha telefoniert nämlich oft und er sagt solche Sätze, zum Beispiel zu seiner Freundin Conny in Kentucky, bei der auch zwei Rassekatzen wohnen. Das sind Kater. Ich weiß sogar, wie sie heißen: Simba und Smokie. Auf jedem Foto sind deren Augen viel blauer als meine, grummel* Obwohl Sascha sagt, er mag, dass meine Augen im Licht funkeln wie Edelsteine. Ich glaube, er nennt diese „Jaspis“. Das klingt für mich aber wie … Ach, ich schreibe es lieber nicht. Auf alle Fälle ist es wohl so, dass meine Augen manchmal eher gelb-braun funkeln, aber im Tageslicht dann wieder blau. Meinen Freund macht das ganz happy. Das helle Blau in meinen Augen nennt er „aquamarin“. So ein Quatsch!

Ist Besuch mit Kindern bei uns, letztens zum Beispiel die kleine Anne-Marie (sie ist echt witzig), unterhalten sich hinterher meine beiden Freunde gleich über die Augenfarben bei Kindern. Das scheint es zu geben, dass auch die Augenfarben bei Menschenkindern wechseln. Also ist es gar nicht so ungewöhnlich bei mir. Darum verstehe ich nicht, wieso die Menschen immer alles gleich bemerken und darüber ganz lange reden müssen. Das scheint so etwas wie ein Zwang zu sein.


Was, ihr wundert euch, dass ich auch weiß, was ein „Zwang“ ist? Na hört mal! Es ist doch ganz logisch, dass ein „Zwang“ ein Bedürfnis ist, das kommt und geht, wie es will. Da gibt es keinen Unterschied zwischen uns Vierbeinern und euch Zweibeinern: Alle müssen wir pinkeln und kacken. Niemand kann sich dagegen wehren. Das ist ein „Zwang“, stimmt`s?


Redet euch bloß nicht ein, ihr könntet eure Bedürfnisse besser kontrollieren als wir Katzen. Das stimmt nicht, denn ich kann das auch. Jeden Morgen warte ich darauf, bis Sascha mir die große Tür aufmacht. Dann stürze ich mich hinaus ins Freie und suche mir meist gleich ein Plätzchen für meine großen Geschäfte. Es ist kalt draußen, aber ich mache das trotzdem. In einem unserer Bäder steht so eine Kiste mit Streu, das krümelt und klumpt. Deswegen lösche dort täglich nur noch den Staub. Da freut sich Sascha, muss er nicht so viel niesen.


Meine Freundin Steffi ist dieser Tage nicht da. Schon bevor Sascha die grünen Zweige ins Haus holte, ist sie einfach mit unserem Opel weg gefahren. Seitdem telefonieren die Beiden abends sehr lange. Das nervt, weil es immer so scheint, als wollten sie gar nicht mehr damit aufhören. Vor lauter Frust steige ich dann in mein Körbchen an der Heizung im Wohnzimmer. Mir wird echt langweilig, sobald Sascha und Steffi miteinander telefonieren. Aber ich muss sagen, es scheinen sehr wichtige Dinge zu sein, worüber die Beiden reden. Steffi ist bei ihren Eltern und die sind sehr, sehr krank. Sie pflegt ihre Eltern und macht das gern. Ich höre manchmal, dass Sascha zu seiner Liebsten sagt: „Das machst Du gut, Schatz.“ Zu mir könnte er so etwas aber auch mal sagen. Ich bin so brav dieser Tage, wie es mir überhaupt möglich ist, brav zu sein. Immerhin versorgt mich Sascha sehr gut und er spricht auch viel mit mir. Ab und zu darf ich tagsüber hinaus in meinen Garten. Dort ist es ziemlich kalt und meine Blumen sind alle fort. Die da geblieben sind sehen aus, als würden sie nie wieder wachsen und sie wollen jetzt auch gar nicht mehr grün sein. Viele sehen aus wie verbrannt oder vertrocknet. Berühre ich ein paar ihrer Blätter, die schlaff herunter hängen, fühlt es sich an, als seien alle Blätter verkohltes Papier. Nein, das ist alles gar nicht schön. Auch Sascha ist jetzt selten draußen. Ihm ist immer kalt. Zum Glück ist mein Fell reichlich und sehr dicht. Trotzdem bleibe ich von ganz alleine nie zu lange draußen. Dann bekäme ich nämlich einen Katzenschnupfen. Das muss nicht sein, lieber nein!


Am 22.Dezember fuhr meine Freundin Steffi einfach mit dem Opel fort. Mein Freund Sascha ließ sofort seine Ohren hängen wie die paar Blumen, die noch draußen im Garten stehen. Stundenlang ging das so. Manchmal denke ich in meiner Schale, dass Sascha wohl auch nie ganz erwachsen wird. Ob Steffi nun bei ihren kranken Eltern ist oder anderswo ... Mein Freund kennt immer das gleiche Problem: Er kann nicht gut ohne Steffi. Aber ich verstehe das, denn meine Freundin ist wirklich eine ganz Liebe und ist sie nicht zuhause, dann fehlt sie mir auch, traurig-guck*


Seit Steffi fort ist, putzt Sascha die Wohnung. Also ich meine das so: Sascha versucht sich abzulenken, nicht an Steffi zu denken, nicht daran, dass er selbst krank ist und nicht daran, dass ich - vielleicht - auf die Idee kommen könnte, fortzulaufen. Also putzt er und putzt. Bekommt Steffi eines Tages Wind davon, ist sie bestimmt beleidigt. Es heißt doch, dass es meist die Frauen sind, die putzen. Mir ist es egal. Bei uns ist immer sauber zumindest, so lange ich noch keine Mäuse in die Wohnung schleppe. Draußen sind die jetzt nicht. Doch mein Futter in der Küche schmeckt mir auch nicht immer. Das sage ich Sascha. Der aber ist ganz schön stur und wartet, bis ich doch davon fresse … Wir machen es nun so, dass abwechselnd einmal ich nachgebe und beim nächsten Mal er. Damit komme ich klar. Immerhin bin ich in diesen Tagen, die alle Leute „Zwischen-den-Jahren“ nennen, Sascha`s rechte Hand. Ich passe gut auf ihn auf. Manchmal ist er so sehr beschäftigt, dass ich ihn gar nicht zum Spielen auffordern brauche, weil ich sehe, dass er sowieso nicht reagiert. Dann warte ich ab. Es gibt drinnen für mich noch andere Beschäftigungen, zum Beispiel das Fernsehen …

 

Kommt ein Film über die arktische Tundra, liege ich in meinem Körbchen und will zuerst gar nichts sehen. Doch dann holt mich Sascha zu sich auf die Couch. Da liege ich herum als Aufforderung zum Streicheln an ihn, aber was macht mein Freund? Er dreht mich zu dieser lauten Kiste um. Plötzlich sehe ich eine riesige Katze, ganz weiß und mit einem Stummelschwanz. Ihr Fell ist sehr dicht und hängt nach unten. Drei kleine Junge springen um sie herum durch ganz viel Schnee. Den kenne ich schon vom letzten Jahr. Das ist so weißes Zeug, liegt draußen, ist furchtbar kalt und nass, dass es mich ungeheuer an die Pfötchen friert. Aber die riesige Katze mit ihren Kindern läuft darin herum, als gäbe es nichts anderes, immer nur Schnee und Eis. Als sie plötzlich an ein großes Wasser kommt, sind nur noch zwei Kinder bei ihr. Aber ich vergesse das schnell, denn ich sehe noch ganz viele andere große und kleine Tiere. Herrlich sind solche Filme! Zum Glück gibt es die öfter im Jahr. Wahrscheinlich steht dann auch jedes Mal ein großes Fest an …

 

Kommt bitte mit, hier geht es weiter: KLICK