Frank wohnt in einer neuen Wohnung, sagt Steffi zu mir und ich soll vier Tage lang schön brav sein. Steffi fährt nämlich noch weiter, bis zu ihren Eltern nach Leipzig. Aber mein Sascha bleibt bei mir, zum Glück.

Ich erkunde sehr schnell die neue Wohnung vom Onkel Frank. Die ist recht klein und ich darf überall hin. Zuerst gehe ich auf mein Katzenklo. Danach kriege ich Hunger. Auch dafür ist schon gesorgt, ich kann gleich fressen, was mir sehr gut schmeckt. Sascha besitzt offenbar auch in der Wohnung vom Frank die Kraft, für mich Fressen zu besorgen. Ob mein Futter beim Frank unterm Bett hockt und sich ganz einfach fangen lässt? Ich möchte mir doch so gerne meine Beute immer selbst besorgen. Also bin ich erst einmal eine Weile fort. Bei Onkel Frank unterm Bett liegt kein Staub. Es sitzen dort keine Mäuse und ich finde auch keinen Fisch.

Sascha geht in diesen Tagen hin und wieder auf den Balkon. Ich weiß nicht, was er sich dort anschaut, aber er sagt: „Ypsilon, du kannst nicht mit.“ Das finde ich schade. Ich setze mich dann auf ein Fensterbrett und schaue mir die Gegend durch die Scheibe auch an. Mein Platz ist oben. Unten kann ich Kinder sehen und Tiere. Das sind solche, denen ich gern ausweiche, sobald sie zuhause bei uns auf der Straße laufen. Manche an einer Leine, andere wieder ohne diesen Strick, den ich längst auch nicht mehr mag.

 

Nachts schlafe ich die vier Tage etwas weniger als sonst. Bei Frank ist es ganz interessant. Sascha schläft im Wohnzimmer auf einer riesigen Couch, die ist noch größer als unsere daheim. Frank schläft in einem anderen Zimmer und einem riesigen Bett. Das quietscht, wenn er schnarcht und er schnarcht laut. Darum verbringe ich meine Reisenächte zur ersten Hälfte bei Sascha auf der Couch und die zweite Nachthälfte bei Frank, wenn er nicht mehr schnarcht, im oder unterm Bett. 

 


Onkel Frank steht morgens ganz zeitig auf, wenn es hell wird. Er zieht sich warm an und geht fort - aber nie, ohne mich zu streicheln und mit mir zu reden. Das klingt, als ob er singt. So ein Säuseln ist das. Es hört sich fast an wie ein Schnurren. Sascha nennt es aber „Brabbeln“ und meint, dass man den Frank dabei schlecht versteht. Das ist mir egal, ich kann nur mit meinem Gefühl spüren, worum es dabei geht. Ich merke aber, dass alles gut und in Ordnung

ist. Also geht es mir bestens. Sascha versorgt mich jeden Tag fast zu gut. Ich muss ganz schön aufpassen, dass ich nicht fett dabei werde. Immerhin fehlt mir mein Garten doch sehr. Keiner sagt mir, wann ich dort wieder hin darf.

Abends schwatzt Sascha manchmal mit Steffi. Er nimmt dann so ein Ding in die Hand, da ist Steffi`s Stimme drin. Ich kann sie hören. Manchmal ruft Steffi`s Stimme meinen Namen. Aber das ist mir völlig egal. Ich sehe keine Steffi, also ist sie nicht da, basta!

 

An einem dieser Tage putzen sich Sascha und Onkel Frank mächtig heraus. In der Wohnung riecht es plötzlich wie zuhause bei Steffi im Bad. Es duftet nach Zeug, das mir wirklich in meine empfindliche Nase fährt. Aber dann sind Frank und Sascha eine ganze Weile fort. Ich warte ganz geduldig: schlafe, fresse, trinke und faulenze. Als die Beiden abends spät zurück kommen, lachen sie viel und erzählen lauter dummes Zeug. So muss es sein, weil sie gar nicht wieder ernst werden wollen. Was ein „Kabarett“ ist, weiß ich zwar nicht, aber darum geht es zwischen den Beiden und sie trinken darauf etwas, das ich nicht gern riechen mag. Danach sind sie sehr müde und ich auch.

 

Am nächsten Tag sagt Sascha plötzlich, dass Steffi bald kommt. Hui, das höre ich sehr gerne! Am Nachmittag ist es dann auch so. Meine zwei Freunde laden mein Katzenzeug wieder in unseren OPEL. Ich setze mich auch gleich wieder in meinen Transportkorb und weiß, was jetzt los geht. Wir fahren nach Hause!

Das laute Geräusch vom Opel ist ein Brummen und ich schlafe trotzdem ganz fest. Dann kommt Sascha`s Finger wieder durch die Klappe von vorn. Aha, das ist ein Zeichen für mich! Wahrscheinlich dauert es nun nicht mehr lange bis heim, :freu: Wie auf der ersten Fahrt bekomme ich von Sascha nun ein Leckerli. Besser kann es nicht sein. Ich „rieche“ schon die Lüneburger Heide oder bilde ich mir das nur ein?

 

Plötzlich sagt Sascha, dass wir gleich zuhause sind. Toll, ich bin wieder da! Alles ist gut. Ich werde gelobt und verwöhnt und bin soooo glücklich und stolz ...

 

Dann erklären mir meine zwei Freunde, dass ich morgen wieder in meinen großen Garten darf. Außerdem, so sagen sie mir, darf ich nun immer mit verreisen. Ich bekomme bald noch einen richtigen, viel besseren Reisekorb und wir fahren in diesem Jahr alle zusammen in den Urlaub. Das muss ich nicht verstehen, nur tun, denke ich mal. Es wird schon werden … Schön!

 

An alle Katzen, die nicht so gern Opel fahren wie ich:

 

Leute, probiert es mal mit Gemütlichkeit. Es lohnt sich auf alle Fälle und dann: Ab in den Urlaub …

 

Beste Grüße vom Ypsilon